Nach der Übergabe gehst du noch einmal ins Zimmer. Frau M., die du seit Jahren kennst, erkennt ihren Sohn nicht, läuft nachts unruhig über den Flur und beschimpft dich bei der morgendlichen Pflege. Du weißt, dass ihr Verhalten nicht persönlich gemeint sein muss. Trotzdem trifft es dich, besonders wenn aus einem vertrauten Kontakt plötzlich Abwehr wird.
Genau hier beginnt die professionelle Aufgabe: Eine Wesensveränderung im Alter ist zunächst eine Beobachtung, keine Diagnose. Sie kann mit einer Demenz zusammenhängen, aber ebenso mit einem Delir, einer Depression, Schmerzen, einer Infektion, Flüssigkeitsmangel oder Medikamentenwirkungen. Für deine Pflegeplanung macht es einen entscheidenden Unterschied, ob sich ein Zustand über längere Zeit entwickelt oder innerhalb weniger Stunden kippt.
Auch die eigene Haltung zählt. Professionelle Nähe und Distanz helfen dir, betroffen zu bleiben, ohne die Reaktion der Bewohnerin als persönliche Zurückweisung zu behandeln. Eine hilfreiche Einordnung bietet der Beitrag über Nähe und Distanz in der Pflege.
Inhaltsverzeichnis
- Wenn sich vertraute Menschen plötzlich fremd anfühlen
- Die häufigsten Ursachen auf einen Blick
- Warum das Alter den Unterschied macht
- Warnzeichen und kurze Assessments im Pflegealltag
- Kommunikation und Pflege bei Wesensveränderung
- Ethische und rechtliche Aspekte im Überblick
- Unterstützung für Angehörige und Fachkräfte
- Was du aus diesem Leitfaden mitnimmst
Wenn sich vertraute Menschen plötzlich fremd anfühlen
Erst beobachten, dann bewerten
Im Dienst fallen Veränderungen selten als klar abgegrenztes Krankheitsbild auf. Du bemerkst vielleicht, dass jemand langsamer antwortet, beim Waschen ungewöhnlich misstrauisch wirkt oder die Mahlzeit stehen lässt. Eine andere Person zieht sich aus Gruppen zurück, schläft am Tag und ist nachts wach. Solche Zeichen wirken zunächst wie „schwieriges Verhalten“, obwohl sie einen körperlichen oder psychischen Auslöser haben können.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: „Warum ist diese Person so geworden?“ Präziser ist: Was hat sich gegenüber dem bekannten Ausgangszustand verändert, seit wann, in welchen Situationen und mit welchen Begleitzeichen?
Der Pflegealltag als diagnostischer Zugang
Du kennst die Bewohnerin oft besser als jede Momentaufnahme im Untersuchungszimmer. Deine Beobachtung kann zeigen, ob sie morgens orientiert und abends verwirrt ist, ob die Unruhe an Toilettengänge gekoppelt ist oder ob die Aggressivität immer bei bestimmten Reizen auftritt. Diese Informationen sind für die weitere Abklärung wertvoll, wenn du sie konkret und zeitnah dokumentierst.
Pflegefachliche Leitfrage: Ist das Verhalten neu, plötzlich, schwankend oder schleichend entstanden?
Eine schnelle Differenzierung schützt vor zwei Fehlern. Erstens darfst du eine akute Verschlechterung nicht vorschnell als Demenzfortschritt einordnen. Zweitens solltest du eine länger anhaltende Veränderung nicht mit dem Hinweis auf „normales Altern“ abtun. Die folgenden Zusammenhänge helfen dir, den Verlauf zu lesen, körperliche Auslöser mitzudenken und Kommunikation sowie Umgebung passend anzupassen.
Die häufigsten Ursachen auf einen Blick
Wesensveränderungen entstehen selten aus einem einzigen sichtbaren Grund. Für die Schicht hilft ein inneres Ordnungssystem mit fünf Ursachengruppen. Entscheidend sind Zeitverlauf, Aufmerksamkeit, Orientierung, körperliche Begleitsymptome und der Vergleich mit dem individuellen Ausgangsniveau.
Fünf Ursachengruppen
Demenzielles Syndrom: Bei Alzheimer-Demenz, vaskulärer Demenz oder Lewy-Body-Demenz entwickeln sich Veränderungen meist schleichend. Gedächtnis, Orientierung, Urteilsfähigkeit und Alltagskompetenz nehmen zunehmend ab, wobei das Erscheinungsbild je nach Demenzform unterschiedlich ausfallen kann. Der erste Hinweis ist oft eine über längere Zeit erkennbare Verschlechterung, nicht ein isolierter „schlechter Tag“.
Delir: Ein Delir ist eine akute hirnorganische Störung. Die betroffene Person wirkt innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert, die Aufmerksamkeit schwankt und der Schlaf-Wach-Rhythmus kann kippen. Ein Wechsel zwischen scheinbarer Klarheit, Unruhe, Angst oder Apathie ist für dich besonders wichtig.
Depressive Pseudodemenz: Eine Depression kann Konzentration, Antrieb und Gedächtnisleistung so stark beeinträchtigen, dass sie einer Demenz ähnelt. Häufig stehen Rückzug, Interessenverlust, gedrückte Stimmung oder eine auffällige Verlangsamung im Vordergrund. Als erster Hinweis gilt die Verbindung zwischen kognitiven Beschwerden und depressiver Symptomatik.
Medikamentenwirkungen und Wechselwirkungen: Polypharmazie kann Verwirrtheit, Gedächtnisprobleme, emotionale Verflachung oder ungewöhnliche Müdigkeit begünstigen. Anticholinergika werden in der Pharmazeutischen Zeitung unter anderem mit solchen Beschwerden in Verbindung gebracht. Besonders verdächtig ist eine Veränderung nach einer neuen Verordnung, Dosisänderung oder unübersichtlichen Einnahmesituation.
Somatische Auslöser: Infektionen, Exsikkose, Hypoglykämie, Schmerzen und Stoffwechselentgleisungen können Verhalten rasch verändern. Die Person muss dabei nicht zwingend Fieber oder deutliche Schmerzen äußern. Ein ungewohntes Gesicht, eine veränderte Mobilität, reduzierte Aufnahme oder neue Inkontinenz können wichtige Hinweise liefern.
| Ursache | Typisches Bild | Zeitverlauf | Erster Hinweis für Pflegekräfte |
|---|---|---|---|
| Demenzielles Syndrom | Gedächtnis- und Orientierungsprobleme, veränderte Alltagskompetenz | Schleichend, fortschreitend | Vergleich mit früheren Beobachtungen |
| Delir | Schwankende Aufmerksamkeit, Unruhe, Angst oder Apathie | Akut und wechselnd | Plötzlicher Beginn und Fluktuation |
| Depression | Rückzug, Antriebsmangel, verlangsamte Antworten | Über längere Zeit, oft situationsabhängig | Stimmung und Interessenverlust mitbeobachten |
| Medikamente | Müdigkeit, Verwirrtheit, emotionale Veränderung | Nach Beginn oder Änderung möglich | Medikationsplan und zeitlichen Zusammenhang prüfen |
| Somatische Ursache | Unruhe, Aggressivität, Apathie oder Funktionsabfall | Häufig akut | Schmerzen, Ausscheidung, Aufnahme und körperliche Zeichen erfassen |
Bei einem plötzlich veränderten Zustand brauchst du keine vorschnelle Erklärung, sondern eine strukturierte Weitergabe. Akute Verhaltensänderungen können reversibel sein und gehören medizinisch abgeklärt, statt als Charakterverfall etikettiert zu werden.
Warum das Alter den Unterschied macht
Mit zunehmendem Alter treffen mehrere Belastungen auf ein empfindlicheres Regulationssystem. Das Gehirn kann sich an neue Reize, Erkrankungen oder Medikamente weniger flexibel anpassen. Gleichzeitig treten Multimorbidität, vaskuläre Veränderungen und eine geringere kognitive Reserve häufiger zusammen auf. Das bedeutet nicht, dass jede ältere Person eine Wesensveränderung entwickelt. Es bedeutet, dass kleine Auslöser stärker ins Gewicht fallen können.
Der Altersgradient bei Demenz
Der RKI-Bericht zur Demenz weist für 2022 eine administrative Prävalenz von 2,8 % bei Menschen ab 40 Jahren aus. Das entspricht nahezu 1,4 Millionen diagnostizierten Fällen in Deutschland. Bei den Menschen ab 65 Jahren lag die Prävalenz bei 6,9 %, bei Frauen bei 3,3 % und bei Männern bei 2,4 %. Zwischen 2017 und 2022 zeigte sich dabei eine leicht abnehmende Tendenz. Diese Angaben findest du im RKI-Bericht zur Demenz.
Eine ältere RKI-Auswertung verdeutlicht den Altersgradienten zusätzlich. Für 2014 wird bei Menschen ab 65 Jahren eine Demenzprävalenz von 10,3 % genannt, während sie bei den 65- bis 69-Jährigen 1,7 % betrug. Im Alter von 80 bis 84 Jahren verdoppelte sich die Häufigkeit ungefähr alle fünf bis sechs Jahre; ab 95 Jahren stabilisierte sie sich auf hohem Niveau. Die Details stehen in der historischen RKI-Auswertung zur Demenz.
Konsequenz für deine Wachsamkeit
Diese Zahlen sind kein Grund für Defaitismus. Sie erklären vielmehr, warum du Veränderungen im hohen Alter konsequent als klinisch relevante Beobachtung behandelst. Die Pflegequote steigt laut RKI von 6,6 % bei den 65- bis 69-Jährigen auf 87,4 % bei den über 90-Jährigen; bis 2040 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen um bis zu 31 % zunehmen, entsprechend rund 5,8 Millionen pflegebedürftigen Menschen ab 65 Jahren. Das ist eine Projektion und keine gegenwärtige Bestandszahl. Die Angaben stammen aus dem RKI-Pflegebericht.
Für deinen Dienst heißt das: Du brauchst keine Angst vor jeder Abweichung zu haben, aber du brauchst einen klaren Blick für Muster. Eine akute Abweichung verlangt eine andere Aufmerksamkeit als eine langsam fortschreitende Einschränkung.
Warnzeichen und kurze Assessments im Pflegealltag
Frühe Warnzeichen sind oft unspektakulär. Eine Bewohnerin antwortet verzögert, obwohl sie sonst schnell reagiert. Ein Bewohner, der gern am Tisch sitzt, bleibt plötzlich im Zimmer. Eine Person mit bekannter Demenz wird innerhalb derselben Schicht auffällig misstrauisch und wechselt zwischen Schläfrigkeit und motorischer Unruhe.
Beobachtungen, die du dokumentieren kannst
Notiere nicht nur „war aggressiv“. Schreibe, wann die Reaktion begann, welcher Auslöser vorausging, wie die Person sprach, ob sie Blickkontakt hielt und was die Situation beruhigte. Auch ein verändertes Tag-Nacht-Verhalten, neue Ängste, Apathie, verlangsamte Bewegungen oder sozialer Rückzug gehören in die Verlaufsbeobachtung.
Bei der Einschätzung hilft dir eine einfache Trennung:
- Fluktuation: Die Aufmerksamkeit und Orientierung wechseln innerhalb kurzer Zeit. Das spricht eher für ein Delir.
- Schleichender Abbau: Fähigkeiten gehen über längere Zeit zurück. Das passt eher zu einem dementiellen Prozess.
- Stimmungslage: Rückzug, Interessenverlust und verlangsamtes Denken stehen im Vordergrund. Eine depressive Entwicklung kommt als Erklärung infrage.
- Körperliche Veränderung: Schmerzen, reduzierte Aufnahme, auffällige Atmung oder neue Ausscheidungsprobleme begleiten das Verhalten. Dann brauchst du eine somatische Abklärung.
Mini-Assessments gezielt einsetzen
Die Confusion Assessment Method, kurz CAM, unterstützt die strukturierte Delirerfassung. Du prüfst den akuten Beginn oder schwankenden Verlauf, die Unaufmerksamkeit, ungeordnetes Denken und eine veränderte Bewusstseinslage. In der Praxis wird CAM als kurzer Screeningansatz genutzt. Das Ergebnis ersetzt keine ärztliche Diagnostik, sondern begründet eine zeitnahe Weitergabe.
Der Uhrzeichentest und der Mini-Cog können Hinweise auf kognitive Einschränkungen geben. Beim Uhrzeichentest beobachtest du, wie die Person eine Uhr zeichnet und eine vorgegebene Zeit einträgt. Der Mini-Cog verbindet eine kurze Merkaufgabe mit dem Uhrzeichnen. Wichtig ist die Ausgangslage: Sehfähigkeit, Sprache, Bildung, Müdigkeit und akute Belastungen beeinflussen die Durchführung.
Dokumentationsregel: Schreibe Ergebnis, Zeitpunkt, Rahmenbedingungen und Abweichung vom persönlichen Normalzustand auf.
Auch Essen und Trinken wirken im Pflegealltag wie ein Vitalzeichen der Seele. Nicht weil jede reduzierte Aufnahme automatisch eine psychische Ursache hätte, sondern weil sie oft früh zeigt, dass Antrieb, Orientierung, Schlucken, Schmerzempfinden oder Allgemeinzustand verändert sind. Für einen fachübergreifenden Blick auf Apathie und Verhaltensänderungen bietet der Beitrag Symptome einer kranken Katze eine ungewöhnliche, aber anschauliche Vergleichsperspektive.
Bei bekannten kognitiven Einschränkungen findest du weitere pflegepraktische Anregungen zu Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz. Entscheidend bleibt, dass du ein Screening nicht isoliert bewertest. Das Ergebnis wird erst durch Verlauf, Beobachtung und Übergabe klinisch brauchbar.
Kommunikation und Pflege bei Wesensveränderung
Wenn Verhalten sich verändert, brauchst du zuerst eine verlässliche Beziehung und erst danach eine ausgefeilte Methode. Menschen mit Demenz oder Delir reagieren stark auf Tonfall, Abstand, Blickkontakt und Umgebung. Deine ruhige Präsenz kann Orientierung geben, während hektische Korrekturen Unsicherheit verstärken.
Biografie als Brücke
Biografiearbeit heißt nicht, ständig Erinnerungsfragen zu stellen. Du nutzt vertraute Themen, Gegenstände, Musik oder Rituale, um einen Zugang zu schaffen. Bei Frau M. kann ein bekanntes Handtuch, ein vertrauter Duft oder ein Lied mehr Sicherheit geben als eine lange Erklärung des Pflegeablaufs.
Validation nach Naomi Feil nimmt das subjektive Erleben ernst, ohne jede Aussage sachlich zu bestätigen. Wenn jemand sagt: „Ich muss zu meiner Mutter“, hilft eine harte Korrektur meist nicht. Eine Formulierung wie „Du machst dir Sorgen um deine Mutter. Erzähl mir, was dir gerade Angst macht“ öffnet eher den Kontakt.
Basale Stimulation arbeitet mit einfachen, klaren Reizen und einem respektvollen Körperkontakt. Langsame Bewegungen, angekündigte Berührungen und ein gleichbleibender Ablauf können Menschen erreichen, die sprachlich kaum noch folgen. Dabei musst du immer die individuelle Reaktion beobachten, denn ein Reiz, der beruhigt, kann für eine andere Person überfordernd sein.
Milieu und Tagesstruktur
Eine reizarme Umgebung reduziert Anforderungen. Vermeide mehrere Gesprächspartner gleichzeitig, schaffe gute Beleuchtung und nutze gut erkennbare Wege. Tageslicht, feste Mahlzeiten, vertraute Rituale und ausreichend Schlaf unterstützen einen stabileren Rhythmus.
| Methode | Zielgruppe | Wirkprinzip |
|---|---|---|
| Biografiearbeit | Menschen mit vertrauten Erinnerungsankern | Vertrautes stärkt Identität und Beziehung |
| Validation | Menschen mit starkem subjektivem Erleben | Gefühle werden anerkannt, ohne unnötig zu korrigieren |
| Basale Stimulation | Menschen mit eingeschränkter Kommunikation | Wahrnehmung wird über klare, dosierte Reize unterstützt |
| Milieugestaltung | Menschen mit Unruhe oder Desorientierung | Weniger Reize und mehr Struktur entlasten |
Herausforderndes Verhalten deeskalieren
Wenn jemand Essen verweigert, kannst du statt „Du musst jetzt essen“ sagen: „Der Geruch scheint dich gerade zu stören. Möchtest du etwas anderes oder eine Pause?“ Wenn eine Person sich verlaufen hat, korrigierst du nicht zuerst den Weg, sondern sicherst die Situation: „Du suchst etwas. Komm, wir schauen gemeinsam, wohin du möchtest.“
Bei Aggressivität hältst du Abstand, sprichst langsam und lässt einen Fluchtweg offen. Umleiten ist meist wirksamer als argumentatives Korrigieren. Dokumentiere, was vor der Reaktion geschah, welche Maßnahme geholfen hat und wie lange die Beruhigung dauerte. Eine fachliche Orientierung zu Deeskalationstechniken in der Pflege kann diese Teamarbeit ergänzen.
Ethische und rechtliche Aspekte im Überblick
Wesensveränderungen berühren immer die Selbstbestimmung. Eine Person kann heute etwas ablehnen, morgen zustimmen und übermorgen nicht mehr verstehen, worum es geht. Du musst deshalb zwischen aktuellem Willen, früher festgelegtem Willen und mutmaßlichem Willen unterscheiden.
Vorsorge und Stellvertretung
Eine Vorsorgevollmacht legt fest, wer für bestimmte Angelegenheiten handeln darf. Eine Patientenverfügung beschreibt medizinische Wünsche für Situationen, in denen die betroffene Person nicht entscheidungsfähig ist. Das Betreuungsrecht nach dem BGB ordnet, wie Unterstützung und Vertretung geregelt werden, wenn eine Vollmacht nicht ausreicht.
Freiheitsentziehende Maßnahmen, kurz FEM, sind kein Ersatz für fehlende Zeit oder Personalkapazität. Fixierungen, sedierende Medikamente oder andere Maßnahmen, die Bewegung erheblich einschränken, verlangen eine rechtliche Prüfung, eine nachvollziehbare Begründung, eine geeignete Anordnung beziehungsweise Genehmigung und eine engmaschige Dokumentation. Bei freiheitsentziehenden Maßnahmen kann das Betreuungsgericht eine zentrale Rolle spielen.
Autonomie und Fürsorge abwägen
Das typische Dilemma lautet: Darfst du eine Person gegen ihren Widerstand vor einem Risiko schützen? Die Antwort entsteht nicht aus einem allgemeinen „Sicherheitsgefühl“, sondern aus einer individuellen Prüfung von Einwilligungsfähigkeit, Gefährdung, Alternativen und Verhältnismäßigkeit.
Ethischer Prüfpunkt: Erst die am wenigsten eingreifende Möglichkeit suchen, dann Wirkung und Nebenwirkung im Team bewerten.
„Lügen zum Wohl des Patienten“ klingt zunächst fürsorglich, kann aber Vertrauen beschädigen. Eine wertschätzende, nicht konfrontative Antwort ist oft besser als eine bewusste Täuschung. Bei Entscheidungen am Lebensende zählt die Orientierung am dokumentierten oder mutmaßlichen Willen.
Der ICN-Ethikkodex und ethische Prinzipien in der Pflege bieten einen Rahmen für Würde, Schutz und professionelle Verantwortung. Fallbesprechungen und Ethikberatungen helfen, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen. So trägt nicht eine einzelne Pflegekraft die gesamte Belastung einer schwierigen Entscheidung.
Unterstützung für Angehörige und Fachkräfte
Niemand sollte eine Wesensveränderung allein organisieren. Angehörige brauchen verständliche Information und konkrete Entlastung. Pflegefachkräfte brauchen Zeit für Fallbesprechungen, verlässliche Ansprechpartner und ein Team, das Beobachtungen ernst nimmt.
Für Angehörige
Pflegestützpunkte beraten zu Pflegegrad, Leistungen und Entlastung. Alzheimer Gesellschaften bieten Demenzberatung, Angehörigengruppen und Selbsthilfe vor Ort. Je nach Bedarf kommen ambulante Pflegedienste, Tagespflege, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege und Entlastungsbetreuung nach §45b SGB XI infrage.
Die nächsten Schritte müssen nicht kompliziert sein:
- Erstgespräch vereinbaren: Nimm Kontakt zu einem Pflegestützpunkt oder einer regionalen Demenzberatungsstelle auf.
- Pflegegrad beantragen: Warte nicht, bis die familiäre Belastung eskaliert.
- Vorsorge prüfen: Suche Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zusammen und kläre offene Punkte.
- Netzwerk aktivieren: Sprich ambulante Dienste, Tagespflege und Angehörigengruppen direkt an.
Für Fachkräfte
Für dich als examinierte Pflegefachkraft gehören Fortbildungen zur Demenzsensibilität, Deeskalationstrainings, Supervision und kollegiale Beratung zu den wichtigsten Schutzfaktoren. Ein demenzsensibles Schulungscurriculum der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kann eine Grundlage bilden. Multiprofessionelle Netzwerke mit Hausärzten, Gerontopsychiatern und Sozialdiensten erleichtern die Abklärung und Versorgung.
Markiere innerhalb einer Woche einen Schulungstermin im Trägerkalender, bringe eine konkrete Situation in die nächste Fallbesprechung ein und nutze kollegiale Fallberatung, wenn herausforderndes Verhalten wiederkehrt. Pflegepersonal für Kliniken, Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste kann auch über Personaldienstleister wie BREKSTAR Medical GmbH in unterschiedlichen Versorgungskontexten eingesetzt werden. Dabei solltest du vor einem Einsatz klären, welche gerontopsychiatrischen Kompetenzen, Übergabestrukturen und Ansprechpartner vor Ort vorhanden sind.
Was du aus diesem Leitfaden mitnimmst
Eine Wesensveränderung im Alter ist kein festgeschriebenes Schicksal und kein Charakterurteil. Sie ist ein Symptom, das du beobachten, einordnen und weitergeben musst. Gerade erfahrene Pflegekräfte erkennen oft früh, dass „etwas nicht stimmt“. Entscheidend ist, aus diesem Eindruck eine nachvollziehbare Beobachtung zu machen.
Fünf Aussagen gehören morgen an jedes Bett:
- Jede Veränderung ernst nehmen: Neues Misstrauen, Apathie, Aggressivität oder Rückzug verdienen Aufmerksamkeit.
- Den Verlauf prüfen: Akut und schwankend spricht eher für ein Delir, schleichend eher für Demenz; Stimmung und Antrieb weisen zusätzlich auf eine depressive Entwicklung hin.
- Konkrete Daten dokumentieren: Zeitpunkt, Verhalten, Auslöser, Aufmerksamkeit, Aufnahme und Reaktion auf Maßnahmen gehören in die Dokumentation.
- Kommunikation vor Eskalation: Validation, Biografiearbeit, Tagesstruktur und Milieugestaltung können Sicherheit schaffen, bevor weitere Maßnahmen erforderlich werden.
- Hilfe früh einbeziehen: Angehörige, Hausärzte, Beratungsstellen, Sozialdienste und das Pflegeteam müssen nicht erst reagieren, wenn die Situation entgleist.
Nimm dir im nächsten Dienst eine konkrete Bewohnerin oder einen konkreten Bewohner vor und vergleiche die aktuelle Situation mit dem bekannten Ausgangszustand. Dokumentiere nicht nur das Problem, sondern auch Zeitpunkt, mögliche Auslöser und erfolgreiche Beruhigung. Wenn du unsicher bist, hol dir frühzeitig multiprofessionelle Unterstützung, statt die Veränderung als Altersnormalität hinzunehmen.
Besonders für Pflegefachkräfte, die in wechselnden Einrichtungen arbeiten, ist eine klare Einarbeitung in Demenz, Delir und Deeskalation entscheidend. BREKSTAR Medical GmbH vermittelt und beschäftigt Pflegefachkräfte deutschlandweit, mit unbefristeten Verträgen, überdurchschnittlicher Vergütung von 5.000 bis 7.000 €, Firmenwagen mit Tankkarte, persönlichem Ansprechpartner und 24/7-Erreichbarkeit. Wenn du deine gerontopsychiatrische Erfahrung in unterschiedlichen Teams einbringen und dabei planbare Unterstützung erhalten möchtest, informiere dich über die Einsatzmöglichkeiten.
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