Übergabe in der Pflege: Sichere Abläufe & Protokolle

Der Frühdienst ist da, das Telefon klingelt, ein Angehöriger wartet schon im Flur, und in der Übergabe fallen Sätze wie „war nachts etwas unruhig“ oder „bitte später nochmal schauen“. Genau in diesen Minuten entscheidet sich oft, ob die nächste Schicht sicher starten kann oder ob sie erst einmal Lücken stopfen muss. Wer in der Pflege arbeitet, kennt dieses Gefühl sofort.

Eine gute übergabe in der pflege ist deshalb keine Formalität. Sie ist der Moment, in dem Verantwortung sauber weitergegeben wird. Wenn das gelingt, wird der Dienst ruhiger, klarer und fachlich sicherer. Wenn es misslingt, beginnt die Schicht mit Unsicherheit, Nachfragen und unnötigem Stress.

Warum eine perfekte Übergabe Ihre wichtigste Fähigkeit ist

Chaotische Übergaben fühlen sich nicht nur schlecht an. Sie sind ein echtes Warnsignal im Alltag. Wenn Informationen zwischen Tür und Angel weitergegeben werden, wenn Unterbrechungen die Konzentration zerreißen und wenn die Übergabe unter Zeitdruck „irgendwie noch schnell“ erledigt wird, startet niemand souverän in die Versorgung.

Eine Krankenschwester steht im Krankenhausflur und hält Unterlagen für eine klare Übergabe in der Pflege bereit.

Die Frustration dahinter ist belegt. In Deutschland sind 52,3 % der Pflegenden mit der Dienstübergabe unzufrieden, ein internationaler Spitzenwert. Als Hauptgründe nennt die europäische NEXT-Studie häufige Störungen, schlechten Informationsaustausch und Zeitmangel. Genau diese Faktoren gefährden die Kontinuität der Versorgung und erhöhen den Druck im Team, wie die Auswertung in der Pflegewissenschaft zur NEXT-Studie zeigt.

Was im Alltag wirklich dahintersteckt

Die Übergabe scheitert selten an fehlendem guten Willen. Meist scheitert sie an Rahmenbedingungen und Gewohnheiten. Eine Pflegekraft erinnert sich an den Katheterwechsel, die andere an die Atemfrequenz, aber niemand sagt klar, was bis Dienstende offen geblieben ist. Dann beginnt die nächste Schicht mit Rückfragen statt mit Pflege.

Typische Anzeichen einer schwachen Übergabe sind schnell erkennbar:

  • Unklare Prioritäten. Es bleibt offen, was sofort relevant ist und was warten kann.
  • Bewertungen statt Beobachtungen. Formulierungen wie „war schwierig“ helfen der Folgeschicht kaum weiter.
  • Fehlende Abschlussklarheit. Niemand weiß genau, welche Maßnahme schon erledigt wurde und was noch aussteht.
  • Zu viele Störungen. Klingeln, Telefonate oder Nachfragen reißen den roten Faden auseinander.

Praxisregel: Eine gute Übergabe spart keine Zeit in der Übergabe. Sie spart Zeit in den nächsten Stunden.

Warum diese Fähigkeit Sie fachlich heraushebt

Saubere Übergaben sind ein Zeichen von Überblick, Priorisierung und klinischem Denken. Wer knapp, vollständig und nachvollziehbar übergibt, zeigt nicht nur Kommunikationsstärke. Diese Fachkraft zeigt, dass sie Verantwortung tragen kann.

Das hat auch eine persönliche Seite. Gute Übergaben senken das Stressniveau, weil der Dienst nicht mit Unsicherheit beginnt. Sie verbessern die Zusammenarbeit, weil Missverständnisse seltener werden. Und sie erhöhen die eigene professionelle Wirkung im Team. Wer in diesem Punkt zuverlässig arbeitet, wird als stabile, gefragte Fachkraft wahrgenommen.

Gerade deshalb lohnt es sich, die eigene Kommunikation bewusst zu schärfen. Wer tiefer in die Grundlagen sauberer Abstimmung im Team einsteigen möchte, findet ergänzende Impulse im Beitrag zur Kommunikation in der Pflege.

Die Säulen der sicheren Patientenübergabe

Eine sichere Übergabe entsteht nicht durch Routine allein. Sie braucht ein System. In der Praxis tragen vor allem drei Säulen: Organisation, inhaltliche Vollständigkeit und kommunikative Disziplin.

Wenn nur eine dieser Säulen schwach ist, merkt man das sofort. Eine Übergabe kann fachlich korrekt gemeint sein und trotzdem riskant werden, wenn sie im Lärm des Stationsalltags untergeht. Sie kann zügig sein und dennoch unbrauchbar, wenn wesentliche Informationen fehlen.

Organisation schafft Schutz

Die erste Säule ist die Umgebung. Übergaben brauchen ein festes Zeitfenster, eine klare Verantwortlichkeit und möglichst wenige Unterbrechungen. Das ist keine Komfortfrage, sondern Sicherheitsarbeit.

Wer Übergaben immer „nebenbei“ führt, produziert zwangsläufig Lücken. Besonders problematisch ist es, wenn schon vor Beginn nicht klar ist, wer übergibt, wer zuhört, wer dokumentiert und wer währenddessen Störungen abfängt. Gute Teams regeln das vorher.

Ein praktikabler Organisationsrahmen umfasst oft:

  • Klare Zuständigkeit. Eine Person führt, die andere bestätigt Rückfragen und To-dos.
  • Geschützter Zeitpunkt. Übergaben gehören nicht in Laufwege und nicht zwischen zwei Telefonaten.
  • Verbindliche Reihenfolge. Erst organisatorische Punkte, dann patientenbezogene Inhalte, zuletzt offene Aufgaben.

Inhaltliche Vollständigkeit verhindert Sucharbeit

Die zweite Säule ist der Inhalt. Eine Übergabe ist dann gut, wenn sie das Nötige vollständig weitergibt und das Unwichtige bewusst weglässt. Viele Fehler entstehen nicht, weil zu wenig gesprochen wird, sondern weil das Falsche zu ausführlich und das Entscheidende zu knapp gesagt wird.

Relevante Inhalte sind vor allem Zustandsveränderungen, Risiken, durchgeführte Maßnahmen, Wirkung oder Nichtwirkung sowie alles, was die nächste Schicht konkret wissen und tun muss. Weniger hilfreich sind Ausschmückungen, Wertungen und Nebensätze ohne Handlungsbezug.

Wer nach der Übergabe noch rätselt, was jetzt Priorität hat, hat keine Übergabe bekommen, sondern ein Gespräch.

Kommunikation macht aus Information Verlässlichkeit

Die dritte Säule ist die Art, wie gesprochen wird. Hier liegt eines der größten Risiken. 22 Prozent der Pflegefehler gehen direkt auf mangelnde Kommunikation zurück, wobei qualitative Defizite in der Übergabe eine zentrale Rolle spielen. Darauf weist die DBfK-Publikation mit Bezug auf Johnson et al. hin, nachzulesen in der DBfK-Fachinformation zur Dienstübergabe.

Das ist der Punkt, an dem viele Teams ansetzen sollten. Nicht jede Information ist automatisch verständlich, nur weil sie genannt wurde. Verständlich wird sie erst, wenn sie geordnet, präzise und anschlussfähig formuliert ist.

Eine gute Kommunikation in der Übergabe erkennt man an drei Merkmalen:

Merkmal Woran Sie es erkennen Was oft schiefläuft
Präzision Beobachtungen sind konkret formuliert Es bleiben diffuse Aussagen wie „auffällig“
Relevanz Die Info hat klare Bedeutung für die Folgeschicht Nebensächlichkeiten verdrängen Wichtiges
Rückversicherung Nachfragen und kurzes Gegenchecken sind möglich Übergabe endet ohne Bestätigung

Wer diese drei Säulen im Team verankert, arbeitet näher an fachlichen Standards. Ein guter Anschluss dazu ist der Überblick über Expertenstandards in der Pflege, denn sichere Übergaben sind immer auch Ausdruck professioneller Pflegequalität.

Mit dem SBAR-Schema jede Übergabe meistern

Struktur nimmt Druck aus der Situation. Genau deshalb funktioniert SBAR im Pflegealltag so gut. Das Schema zwingt niemanden zu steifen Formulierungen, aber es sorgt dafür, dass die richtigen Informationen in der richtigen Reihenfolge kommen.

Zwei Pflegekräfte besprechen gemeinsam Daten auf einem Tablet im Rahmen der SBAR-Methode für die Patientenübergabe.

Der Nutzen ist messbar. Die Implementierung des SBAR-Modells reduziert Kommunikationsfehler um 42 % und steigert die Patientensicherheit um 28 %. Regelmäßige Trainings können die Einhaltung des Schemas auf bis zu 92 % erhöhen, wie es in den zugelassenen Angaben zum Praxisleitfaden des Bundesgesundheitsministeriums zusammengefasst ist.

Merksatz: SBAR ordnet Denken unter Druck. Genau deshalb ist es im hektischen Dienst so wertvoll.

S wie Situation

Hier nennen Sie knapp, worum es jetzt geht. Keine Vorgeschichte, keine Interpretation, keine Details, die erst später wichtig werden. Die erste Aussage muss der anderen Pflegekraft sofort Orientierung geben.

Beispiele aus dem Alltag:

  • Akutstation. „Herr Becker, Zimmer 14, seit dem frühen Morgen deutlich kurzatmiger.“
  • Pflegeheim. „Frau Lenz hat heute den Mittag kaum gegessen und wirkt seit dem Nachmittag deutlich abgeschlagen.“
  • Ambulanter Dienst. „Bei Herrn Aydin gab es beim letzten Besuch Probleme bei der Medikamenteneinnahme.“

Wichtig ist der Fokus auf das Aktuelle. Die Situation ist der Einstieg, nicht die ganze Geschichte.

B wie Background

Jetzt folgt nur die Vorgeschichte, die zum Verständnis der Situation nötig ist. Viele Übergaben kippen hier ins Ausufernde. Dann werden Diagnosen, Ereignisse und frühere Beobachtungen genannt, ohne dass klar wird, was davon für den aktuellen Zustand relevant ist.

Sinnvoll sind zum Beispiel:

  • bekannte Grunderkrankungen
  • kürzlich erfolgte Veränderungen
  • laufende Therapien oder pflegerische Besonderheiten
  • Ereignisse aus der Schicht mit direktem Bezug

Ein gutes Beispiel lautet: „COPD bekannt, in den letzten Tagen bereits vermehrt Sekret, Sauerstoff läuft wie angeordnet.“ Das reicht oft völlig.

A wie Assessment

Hier kommt Ihre fachliche Einschätzung. Nicht spekulativ, sondern begründet. Genau an dieser Stelle zeigt sich Professionalität. Sie sagen nicht nur, was war, sondern wie Sie die Lage bewerten.

Passende Formulierungen sind etwa:

  • „Ich schätze den Zustand als instabiler ein als zu Schichtbeginn.“
  • „Die Wunde wirkt reizlos, aber die Umgebung ist heute stärker gerötet.“
  • „Sie wirkt deutlich desorientierter als gestern und reagiert verzögert.“

Diese Einschätzung darf klar sein. Sie muss nur nachvollziehbar bleiben.

Zur Vertiefung lohnt sich übrigens auch ein Blick auf konkrete Formulierungslogik in Beispielen für Pflegeberichte, weil gute Dokumentation und gute Übergabe sprachlich eng zusammenhängen.

R wie Recommendation

Jetzt wird es verbindlich. Was soll die nächste Schicht tun, beobachten oder absichern? Wenn dieser Teil fehlt, bleibt die Übergabe unvollständig. Viele Missverständnisse entstehen nicht bei der Beschreibung, sondern bei der fehlenden Empfehlung.

Gute Empfehlungen klingen so:

  1. Beobachten. „Bitte Atemlage engmaschig beobachten.“
  2. Nachfassen. „Bitte am Abend erneut nach dem Schmerzlevel fragen.“
  3. Absichern. „Wenn die Sättigung weiter fällt, bitte ärztlich rückmelden.“
  4. Erledigen. „Verbandsmaterial ist vorbereitet, Wechsel steht noch aus.“

Nach einigen Diensten wird SBAR fast automatisch. Dieses kurze Video ist dafür eine gute Auffrischung im Teamalltag:

So nutzen Sie SBAR ohne künstlich zu wirken

SBAR ist kein Vortrag. Es ist ein Geländer. In der Praxis hilft oft ein kleiner Merkblock auf Papier, im Klemmbrett oder im Tablet. Wer während der Schicht stichwortartig nach SBAR notiert, muss am Ende nicht mehr sortieren.

Hilfreich sind diese Gewohnheiten:

  • Vor der Übergabe kurz ordnen. Was ist neu, was ist kritisch, was ist offen?
  • Pro Patient eine Hauptbotschaft formulieren. Dann verzetteln Sie sich nicht.
  • Rückfrage zulassen. Gute Übergaben sind kurz, aber nicht abweisend.
  • Bei Unsicherheit Empfehlung trotzdem aussprechen. Lieber transparent formulieren als stillschweigend hoffen.

Am Bett oder im Teamraum Die richtige Übergabeform wählen

Die Frage nach dem besten Ort für die Übergabe wird oft zu grundsätzlich diskutiert. In Wahrheit gibt es keine Einheitslösung. Die passende Form hängt vom Setting, vom Zustand der Patientinnen und Patienten, vom Datenschutz und vom Arbeitsfluss ab.

Die Praxis zeigt bereits eine klare Tendenz. In stationären Pflegeeinrichtungen sind Übergaben am Bett in 62 % der Heime üblich, während ambulante Dienste zu 78 % mündliche Übergaben im Team bevorzugen. Gleichzeitig gilt: Die Übergabe vor Ort stärkt die Patientenzufriedenheit, bringt aber ein höheres Risiko für Unterbrechungen mit sich, wie die Angaben im Beitrag zu Übergaben in der Pflegepraxis zusammenfassen.

Eine junge Krankenschwester steht nachdenklich in einem modernen Krankenhausflur vor einem Bereich für die Übergabe.

Was für die Übergabe am Bett spricht

Am Bett sehen beide Seiten denselben Zustand. Das ist der größte Vorteil. Lagerung, Zugänge, Hautbild, Hilfsmittel, Wunden oder Besonderheiten lassen sich direkt prüfen. Außerdem erleben viele Patientinnen und Patienten diese Form als transparent und einbezogen.

Geeignet ist diese Form besonders dann, wenn:

  • sichtbare Befunde wichtig sind. Etwa bei Wunden, Drainagen oder Mobilität.
  • die Beteiligung der betroffenen Person sinnvoll ist. Zum Beispiel bei Orientierung, Ressourcen oder Beschwerden.
  • das Team bereits abgestimmt ist. Dann wird am Bett nicht erst sortiert, sondern bestätigt.

Was für den Teamraum spricht

Im Teamraum lässt sich konzentrierter sprechen. Sensible Themen können geschützter angesprochen werden, und komplexe Zusammenhänge lassen sich oft ruhiger erklären. Gerade bei neuen Aufnahmen, psychosozialen Themen, Konfliktdynamiken oder unklaren Beobachtungen ist das ein echter Vorteil.

Ein Teamraum eignet sich vor allem, wenn:

Situation Besser im Teamraum Besser am Bett
Datenschutzrelevante Inhalte ja eher zurückhaltend
Sichtprüfung nötig begrenzt ja
Hohe Störanfälligkeit oft besser steuerbar eher riskanter
Patientenbeteiligung erwünscht nur indirekt direkt möglich

Nicht der Ort macht die Übergabe professionell. Professionell ist die bewusste Entscheidung für den passenden Ort.

Meine klare Empfehlung aus der Praxis

Am besten funktioniert meist ein hybrides Vorgehen. Zuerst die kurze, strukturierte Vorabstimmung im Teamraum. Danach die gezielte Übergabe am Bett dort, wo Sichtprüfung, Einbezug oder direkte Klärung sinnvoll sind. So verbinden Sie Konzentration mit Praxisnähe.

Ungeeignet ist dagegen das halbe Dazwischen. Also die Übergabe auf dem Flur, im Gehen, zwischen zwei Aufgaben. Dort fehlen sowohl Schutz als auch Übersicht. Wenn Sie wählen können, entscheiden Sie nicht nach Gewohnheit, sondern nach Zweck: Was muss vertraulich besprochen werden, und was muss gemeinsam gesehen werden?

Fehlerquellen erkennen und die Dokumentation vereinfachen

Die meisten Übergabefehler sind keine spektakulären Einzelereignisse. Es sind kleine Brüche im Ablauf. Ein vergessenes Detail, eine unpräzise Formulierung, eine Notiz auf einem Zettel, der später nicht mehr auffindbar ist. Genau hier lohnt sauberes Arbeiten.

Checkliste zur Vermeidung von Fehlerquellen bei der Übergabe in der Pflege mit fünf wichtigen Tipps.

Die häufigsten Bruchstellen im Ablauf

Wer Übergaben verbessern will, sollte zuerst die Fehlerquellen benennen. Im Alltag sehe ich vor allem diese Punkte:

  • Unvollständige Angaben. Es fehlt die Information, was sich verändert hat oder was jetzt Vorrang hat.
  • Unscharfe Sprache. Wörter wie „komisch“, „schlecht drauf“ oder „unauffällig“ sind ohne Kontext zu ungenau.
  • Störungen während der Übergabe. Telefon, Klingel, Zwischenfragen oder Parallelaufgaben zerstören den roten Faden.
  • Doppeldokumentation oder Zettelwirtschaft. Was mündlich gesagt wurde, taucht schriftlich nicht sauber auf.
  • Kein klarer Abschluss. Offene Aufgaben werden genannt, aber niemand sichert die Übernahme ab.

Was in der Praxis zuverlässig funktioniert

Gegen diese Fehler helfen keine großen Projekte, sondern konsequente Kleingewohnheiten. Entscheidend ist, dass das Team sie gemeinsam trägt.

Eine gut nutzbare Arbeitsroutine sieht so aus:

  1. Während der Schicht stichwortartig notieren. Nicht erst am Ende aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
  2. Vor der Übergabe verdichten. Pro Person oder Fall nur die wirklich relevanten Punkte bündeln.
  3. Beobachtungen von Bewertungen trennen. Erst sagen, was Sie gesehen haben. Dann Ihre fachliche Einschätzung.
  4. Offene Aufgaben aktiv benennen. Nicht „müsste man mal schauen“, sondern konkrete Anschlussaufträge.
  5. Kurz rückbestätigen. Die empfangende Person sollte Kernpunkte und Prioritäten verstanden haben.

Eine gute Dokumentation ersetzt die Übergabe nicht. Aber sie macht sie belastbar.

Dokumentation einfacher machen statt schwerer

Dokumentation wird dann mühsam, wenn sie doppelt läuft oder sprachlich unklar bleibt. Deshalb ist es sinnvoll, Übergabe und Dokumentation sprachlich aufeinander abzustimmen. Wer sauber dokumentiert, übergibt meist auch sauberer. Ein hilfreicher Ausgangspunkt dafür ist der Beitrag zum Dokumentieren in der Pflege.

Praktisch bewährt hat sich eine einfache Regel: kurz, konkret, beobachtbar, anschlussfähig. Also nicht „Patientin war schwierig“, sondern „Patientin lehnte die Mobilisation am Nachmittag ab, wirkte angespannt und äußerte Schmerzen beim Aufsetzen“. Das ist übergabefähig und dokumentierbar.

Auch digitale Tools helfen, wenn sie den Ablauf wirklich vereinfachen. Tablets, standardisierte Eingabemasken oder App-basierte Nachweise sind dann nützlich, wenn sie keine neue Parallelwelt schaffen. Gute Systeme unterstützen die Reihenfolge von Beobachtung, Maßnahme und offenem Auftrag. Wer sich generell für saubere, nachvollziehbare Protokolle interessiert, findet auch außerhalb der Pflege sinnvolle Denkanstöße zur Protokollführung zur NIS-2 Compliance, etwa beim Aufbau klarer Protokollstrukturen und bei Fragen der Nachvollziehbarkeit.

Ein kleines Übergabeprotokoll reicht oft aus

Nicht jedes Team braucht komplexe Formulare. Häufig genügt ein schlanker Standard mit festen Feldern:

Feld Leitfrage
Aktueller Zustand Was ist jetzt relevant?
Veränderung in der Schicht Was ist neu oder auffällig?
Maßnahmen Was wurde gemacht?
Wirkung Hat die Maßnahme etwas verändert?
Offen für Folgeschicht Was muss als Nächstes geschehen?

Wenn dieses Raster zuverlässig genutzt wird, sinkt die Sucharbeit deutlich. Und genau das ist der Kern guter Übergaben: weniger Rätsel, mehr Klarheit.

Von der Profi-Übergabe zu Ihrem Traumjob in der Pflege

Wer sicher übergibt, arbeitet nicht nur fachlich besser. Diese Kompetenz verändert den gesamten Auftritt im Beruf. Sie zeigt Übersicht, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Priorisierung. Genau das suchen gute Arbeitgeber, gute Teams und auch Einrichtungen, die kurzfristig verlässliche Unterstützung brauchen.

Darum ist eine starke übergabe in der pflege mehr als Alltagsroutine. Sie ist ein Merkmal professioneller Souveränität. Pflegefachkräfte, die Informationen klar strukturieren, Risiken sauber benennen und Anschlussaufträge verständlich formulieren, entlasten das ganze Team. Solche Kolleginnen und Kollegen gelten nicht als „mitlaufend“, sondern als tragend.

Warum sich diese Fähigkeit auch für Ihre Karriere auszahlt

In flexiblen Einsatzmodellen, in neuen Teams und in wechselnden Einrichtungen fällt Kommunikationsstärke besonders auf. Wer sich schnell orientiert und trotzdem strukturiert übergibt, wird schneller akzeptiert und häufiger angefragt. Das gilt für Pflegefachkräfte genauso wie für Fachkrankenpflege, OTA oder MFA.

Auch für die eigene Arbeitszufriedenheit ist das entscheidend. Wer fachlich stark kommuniziert, erlebt weniger Reibungsverluste im Dienst. Das hilft gerade dann, wenn Sie sich bessere Bedingungen wünschen, etwa mehr Planbarkeit, fairere Bezahlung oder mehr Einfluss auf Ihren Einsatzalltag.

Was Top-Fachkräfte heute zurecht erwarten dürfen

Viele Pflegekräfte verlassen nicht den Beruf. Sie verlassen schlechte Rahmenbedingungen. Starre Pläne, wenig Einfluss auf den Dienst und fehlende Wertschätzung machen selbst gute Teams auf Dauer schwer tragbar.

Wer professionell arbeitet, darf deshalb auch professionelle Bedingungen erwarten. Dazu gehören planbare Einsätze, echte Fortbildung, ein verlässlicher Ansprechpartner und eine Bezahlung, die Verantwortung nicht kleinrechnet. Für viele Fachkräfte wird auch die Rolle als Anleitende oder fachliche Bezugsperson attraktiver. Wer diesen Weg mitdenken möchte, findet Anregungen im Beitrag über Praxisanleiter in der Pflege.

Für Einrichtungen gilt dasselbe in anderer Richtung. Häuser, Dienste und Träger profitieren von Fachkräften, die Übergaben sauber beherrschen. Gerade bei personellen Engpässen zählt nicht nur, dass jemand kommt. Entscheidend ist, dass diese Person Qualität sofort stabilisieren kann.


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