Wenn du morgens zwischen 6 und 7 Uhr in den Dienstwagen steigst, ist der Tag oft schon voll, bevor du die erste Wohnung erreichst. Das Telefon klingelt, eine Angehörige möchte etwas zur Medikamentenversorgung wissen, im Rückspiegel liegt die Akte der nächsten Klientin. Danach wechseln sich Intimpflege, Unterstützung im Haushalt und ein kurzes Gespräch mit dem Ehemann innerhalb weniger Minuten ab.
In solchen Touren muss Dokumentation mehr leisten als eine Unterschrift für die Abrechnung. Sie muss Informationen zwischen Frühdienst, Spätdienst und Leitung weitergeben, Veränderungen sichtbar machen und dich fachlich absichern, ohne die Pflegezeit aufzufressen. Genau hier setzt die SIS in der ambulanten Pflege an. Sie kann Ordnung in die Tour bringen, aber sie ersetzt weder Zeit noch Personal und schon gar nicht die weiterhin notwendige Leistungsdokumentation.
Inhaltsverzeichnis
- Wenn der Wecker vor dem ersten Klienten klingelt
- Was das Strukturmodell SIS eigentlich ist
- Wie groß die ambulante Pflege in Deutschland wirklich ist
- SIS im Vergleich zur klassischen Pflegedokumentation
- Was im ambulanten Erstgespräch wirklich erfasst wird
- Rechtlicher Rahmen und was ambulant trotzdem dokumentiert werden muss
- Implementierung Schritt für Schritt im eigenen Dienst
- Häufige Fehler und bewährte Tipps aus der Praxis
Wenn der Wecker vor dem ersten Klienten klingelt
Du kennst diese Situation: Der erste Besuch ist fest eingeplant, doch schon auf dem Weg dorthin kommt eine Nachricht aus dem Büro. Bei einer Klientin hat sich über Nacht etwas verändert. Ein anderer Kunde braucht heute zusätzlich Unterstützung beim Ankleiden, und bei einem dritten Haushalt wartet die Tochter auf ein Gespräch. Die Akte liegt vielleicht noch im Auto, während du bereits an der Haustür klingelst.
Dann beginnt die Arbeit nicht mit einem ruhigen Blick in die Dokumentation, sondern mit einer Abfolge kleiner Entscheidungen. Was kann die Klientin heute selbst übernehmen? Wo braucht sie Anleitung? Ist der Transfer sicher möglich? Welche Information muss an die nächste Pflegekraft, an die Bezugspflege oder an die Pflegedienstleitung weitergegeben werden?
Praktische Regel: Eine gute Dokumentation beantwortet nicht alles über einen Menschen. Sie macht schnell sichtbar, was für die heutige Versorgung wichtig ist und was sich seit dem letzten Besuch verändert hat.
Gerade in kleinen Diensten wechseln die Aufgaben schnell. Nach der Grundpflege folgt vielleicht Hilfe bei der Haushaltsführung, danach ein Angehörigengespräch und kurz darauf schon der nächste Termin. Wenn du jede Routinetätigkeit in langen Texten wiederholen musst, bleibt weniger Zeit für den Menschen vor dir.
Die SIS verspricht deshalb keine papierlose Pflege, sondern eine andere Ordnung. Du hältst die Lebenssituation, Ressourcen und pflegefachlich relevanten Risiken strukturiert fest. Ergänzt wird nur, was sich verändert oder für die Durchführung und Abrechnung erforderlich ist. Das kann Übergaben stabilisieren. Es funktioniert aber nur, wenn das Team dieselbe Logik nutzt und die Einträge regelmäßig anpasst.
Was das Strukturmodell SIS eigentlich ist
Die Strukturierte Informationssammlung, kurz SIS, kannst du dir wie ein aktuelles Foto der Klientin vorstellen. Ein Foto zeigt nicht jede Bewegung des Tages, aber es macht auf einen Blick sichtbar, wer vor dir steht, wie der Alltag aussieht und wo Unterstützung erforderlich ist. Wenn sich etwas verändert, brauchst du kein völlig neues Bild. Du ergänzt oder aktualisierst die relevante Information.
Das Strukturmodell besteht aus vier miteinander verbundenen Elementen:
- Stammdaten schaffen die organisatorische Grundlage. Dazu gehören beispielsweise Kontaktdaten, Ansprechpartner und versorgungsbezogene Basisinformationen.
- Biografie und Kontext zeigen, welche Gewohnheiten, Beziehungen und Lebensbedingungen die Pflege beeinflussen.
- Die eigentliche SIS ordnet den pflegefachlichen Blick in Themenfelder.
- Der Maßnahmenplan mit Evaluation übersetzt die Einschätzung in konkrete Handlungen und regelmäßige Überprüfung.
Im klassischen Strukturmodell werden fünf zentrale Themenfelder betrachtet: Mobilität und Beweglichkeit, Kognition und Kommunikation, krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen, Selbstversorgung sowie Leben in sozialen Beziehungen. Im ambulanten Bereich kommt die Haushaltsführung als zusätzlicher praktischer Schwerpunkt hinzu. Das ist logisch, weil du nicht nur pflegerische Unterstützung leistest, sondern die Versorgung in einer Wohnung mit individuellen Abläufen organisierst.
Von der Defizitliste zum pflegefachlichen Blick
Die SIS fragt nicht nur: Was kann ein Mensch nicht? Sie lenkt deinen Blick auf die Bedingungen, unter denen etwas gelingt. Eine Klientin kann sich vielleicht selbst waschen, wenn die benötigten Utensilien bereitliegen und sie ausreichend Zeit bekommt. Ein Klient kann den Weg zur Toilette bewältigen, wenn der Rollator richtig steht und die Pflegekraft nicht vorschnell übernimmt.
Diese Perspektive verändert die Maßnahmenplanung. Statt allgemein „Körperpflege durchführen“ zu schreiben, beschreibst du, welche Unterstützung tatsächlich erforderlich ist. Der passende Überblick zu Pflegestandards kann dabei helfen, standardisierte Abläufe und individuelle Maßnahmen voneinander zu trennen.
Das Strukturmodell wurde zunächst im stationären Bereich erprobt. Für ambulante Settings wurde eine Anpassung ausdrücklich empfohlen, weil die Versorgung zu Hause andere Bedingungen mitbringt. Wegezeiten, Angehörige, Schlüssel, Wohnumgebung und Haushaltsführung gehören dort unmittelbar zur täglichen Arbeit.
Wie groß die ambulante Pflege in Deutschland wirklich ist
Noch bevor die erste Tour beginnt, entscheidet sich in vielen kleinen Diensten, ob Informationen schnell verfügbar sind. Ende 2023 gab es 15.549 ambulante Pflege- und Betreuungsdienste, die 1.100.672 Pflegebedürftige versorgten, wie die Kennzahlen der ambulanten Pflege der Gesundheitsberichterstattung des Bundes ausweisen.
Rund die Hälfte dieser Dienste betreut weniger als 50 Pflegebedürftige. Große Einheiten mit mehr als 150 Pflegebedürftigen machen nur etwa 11 % des Marktes aus. Für die Tourenplanung heißt das: In kleinen Teams liegen Entscheidungen oft bei wenigen Personen. Eine Krankmeldung kann mehrere Touren verschieben, und Übergaben müssen auch unter Zeitdruck verständlich bleiben.
| Kennzahl | Wert | Quelle | Bedeutung für Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Ambulante Pflege- und Betreuungsdienste Ende 2023 | 15.549 | Gesundheitsberichterstattung des Bundes | Informationen müssen auch in kleinen Teams schnell auffindbar sein |
| Ambulant versorgte Pflegebedürftige Ende 2023 | 1.100.672 | Gesundheitsberichterstattung des Bundes | Dokumentation verbindet Touren, Angehörige und weitere Beteiligte |
| Dienste mit weniger als 50 versorgten Pflegebedürftigen | Rund 50 % | Gesundheitsberichterstattung des Bundes | Überschaubare, einheitliche Abläufe helfen bei wechselnden Zuständigkeiten |
| Private ambulante Dienste Ende 2023 | 10.648 | Gesundheitsberichterstattung des Bundes | Pflegefachliche und wirtschaftliche Anforderungen müssen zusammenpassen |
Deutschlandweit erhielten 2023 5,9 % der Bevölkerung ambulante Pflegeleistungen, während 1,0 % stationär versorgt wurden, nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung zu Pflegeleistungen. Diese Größenordnung erklärt, warum die SIS auch für kleine Dienste praktisch relevant ist. Sie kann Informationen wie eine gemeinsame Landkarte ordnen, damit die Pflegekraft in der Wohnung, die Verwaltung und die nächste Tour vom gleichen Ausgangspunkt arbeiten.
Ihre Entbürokratisierung hat jedoch Grenzen. Abrechnungsvorgaben verlangen bestimmte Nachweise, und Personalmangel lässt nicht jede Übergabe so ausführlich ausfallen, wie es fachlich wünschenswert wäre. Im Jahresdurchschnitt 2023 waren 45.000 Zeitarbeitskräfte in der Pflege beschäftigt. Das entsprach knapp 3 % der Beschäftigten in Pflegeberufen und etwa 1,8 % der gesamten Pflegebeschäftigten, wie das Factsheet des Deutschen Pflegerats ausweist. Die Dokumentation muss deshalb kurz, eindeutig und auch für wechselnde Pflegekräfte lesbar sein.
SIS im Vergleich zur klassischen Pflegedokumentation
Die klassische AEDL-Dokumentation ordnet Pflege entlang von Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des täglichen Lebens. Das Modell stammt von Monika Krohwinkel und betrachtet unter anderem kommunizieren, sich bewegen, vitale Funktionen aufrechterhalten, sich pflegen und essen und trinken. In der Praxis entstanden daraus häufig lange Problem-, Ressourcen-, Ziel- und Maßnahmenlisten.
Die SIS setzt anders an. Sie beginnt bei der Person und ihrer Situation. Nicht die Frage „Welches Defizit liegt vor?“ steht im Mittelpunkt, sondern „Wie erlebt die Person ihren Alltag, was gelingt, und welche Unterstützung braucht sie unter welchen Bedingungen?“
| Aspekt | Klassische AEDL-Dokumentation | SIS-Strukturmodell |
|---|---|---|
| Strukturierung | Orientierung an Aktivitäten und Pflegeproblemen | Orientierung an der individuellen Situation und Themenfeldern |
| Erstaufnahme | Viele Einzelbereiche werden getrennt abgefragt | Zusammenhängendes Gespräch mit pflegefachlicher Einschätzung |
| Pflegeplanung | Ausformulierte Ziele und Maßnahmen je Problem | Maßnahmenplan auf Basis der SIS und des täglichen Bedarfs |
| Tagesdokumentation | Häufig wiederholende Einträge zu Routinen | Dokumentation vor allem bei Abweichungen und Veränderungen |
| Berichtswesen | Pflegeberichte ergänzen die Einzelplanung | Veränderungen werden gezielt und nachvollziehbar festgehalten |
| Aktualisierung | Einzelne Pflegeprobleme werden angepasst | SIS, Risiken, Maßnahmen und Evaluation werden gemeinsam betrachtet |
| Aufwand | Hoher Schreibaufwand durch wiederkehrende Formulierungen | Weniger Wiederholungen, wenn das Team konsequent arbeitet |
| Pflegeverständnis | Stärker defizit- und verrichtungsorientiert | Ressourcenorientierter Blick auf Person, Kontext und Alltag |
Bei der AEDL-Dokumentation musste die Pflegeplanung häufig ausführliche Ziele und einzelne Maßnahmen enthalten. Im SIS-Modell kann ein Tagesplan genügen, der beschreibt, was zu tun ist und wie die Klientin dabei unterstützt wird. Die Tagesform bleibt sichtbar. Wenn die sonst selbstständige Klientin heute deutlich mehr Hilfe braucht, dokumentierst du diese Abweichung, statt die gesamte Grundplanung neu zu schreiben.
Mehr zur praktischen Einordnung findest du in der Dokumentation der Pflege. Wichtig bleibt: Der Zeitgewinn kommt nicht am ersten Tag. Erst nach mehreren Wochen konsequenter Nutzung merkt ein Team, ob es wirklich weniger doppelt dokumentiert und ob die Einträge für alle verständlich sind.
Was im ambulanten Erstgespräch wirklich erfasst wird
Herr M. ist 78 Jahre alt und kommt nach einem Oberschenkelhalsbruch aus der Rehabilitation nach Hause. Er lebt allein und möchte möglichst selbstständig in seiner Wohnung bleiben. Für die Pflegekraft reicht es nicht, nur den Unterstützungsbedarf bei Körperpflege und Mobilität zu notieren.
Im ambulanten Erstgespräch geht es um die ganze Versorgungssituation. Die Pflegekraft muss wissen, wie die Wohnung erreichbar ist, wo der Schlüssel liegt und wer im Notfall helfen kann. Ebenso relevant sind Angehörige und Nachbarn, Hausarzt und Fachärzte, Pflegegrad, Verordnung der häuslichen Krankenpflege, Medikamentenplan und die Frage, ob Medikamente ausreichend vorhanden sind.
Die Wohnung gehört zur Pflege
Bei Herrn M. prüfst du nicht nur, ob er vom Bett zum Bad kommt. Du erfasst auch, ob der Weg frei ist, ob das Bad erreichbar ist und welche Hilfsmittel bereits vorhanden sind. Dazu kommen Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung, hauswirtschaftliche Unterstützung, Wäsche, Einkauf, Schlüsselverwaltung und Datenschutzeinwilligung.
Die Haushaltsführung ist im ambulanten Bereich ein eigenes praktisches Thema. Sie beeinflusst, ob Pflege überhaupt sicher stattfinden kann. Eine Klientin kann beim Waschen vieles selbst übernehmen, aber ohne saubere Kleidung, erreichbare Pflegeutensilien oder eine funktionierende Küche wird der Alltag trotzdem instabil.
Die Biografie ist dabei kein Lebenslauf für die Akte. Sie hilft dir, Ressourcen zu erkennen. Wer kocht gern mit wem? Wann steht Herr M. gewöhnlich auf? Welche Gewohnheit soll trotz Unterstützung bleiben? Solche Informationen können entscheiden, ob eine Maßnahme akzeptiert wird oder ob sie am Alltag vorbeigeht.
Für ein vollständiges Erstgespräch kannst du eine Dauer von 60 bis 90 Minuten einplanen. Die Bezugspflege übernimmt idealerweise das Gespräch oder stellt sicher, dass die Informationen zuverlässig in den Dienst zurückfließen. In die Akte gehören pflegefachlich relevante Beobachtungen, Vereinbarungen, Zuständigkeiten und Veränderungen. Persönliche Nebensätze oder vertrauliche Gesprächsinhalte, die für die Versorgung keine Bedeutung haben, gehören dort nicht hinein.
Ein geeigneter Leitfaden mit Assessment-Beispielen kann dir helfen, die Gesprächsführung zu strukturieren, ohne sie wie ein Verhör wirken zu lassen.
Das Erstgespräch ist also kein einmaliges Formularereignis. Es liefert die Grundlage für die Tour, muss aber nach einem Krankenhausaufenthalt, einer deutlichen Veränderung oder einem Wechsel der Versorgung angepasst werden.
Rechtlicher Rahmen und was ambulant trotzdem dokumentiert werden muss
Der größte Irrtum lautet: SIS bedeutet, dass du kaum noch dokumentieren musst. Das stimmt nicht. Die SIS ist keine gesetzlich vorgeschriebene amtliche Dokumentationsform, sondern ein im Rahmen der Entbürokratisierung gefördertes Strukturmodell. Du kannst sie nutzen, wenn dein Dienst sie fachlich sauber eingeführt hat. Die gesetzlichen und vertraglichen Anforderungen an eine nachvollziehbare Versorgung bleiben trotzdem bestehen.
Im ambulanten Dienst müssen je nach Versorgung unter anderem folgende Unterlagen geführt werden:
- Leistungsnachweis nach § 36 SGB XI: Er bildet die Grundlage für die Abrechnung der entsprechenden Pflegeleistungen.
- Ärztliche Verordnung häuslicher Krankenpflege nach § 37 SGB V: Sie beschreibt den verordneten Leistungsumfang im Bereich der Behandlungspflege.
- Medikamentenblatt: Ärztliche Anordnungen und relevante Änderungen müssen nachvollziehbar sein.
- Verlaufsdokumentation: Erbrachte Leistungen, Abweichungen und wichtige Beobachtungen werden festgehalten.
- Sturzprotokoll: Bei besonderen Vorkommnissen muss der Ablauf nachvollziehbar dokumentiert werden.
Der Medizinische Dienst beschreibt das Strukturmodell als schlanke Form der Pflegedokumentation, betont aber zugleich, dass ambulante Dienste die Durchführung von Pflegeleistungen weiterhin dokumentieren müssen (Informationen des Medizinischen Dienstes zur Entbürokratisierung). Die SIS macht den pflegefachlichen Teil übersichtlicher. Sie ersetzt nicht den Nachweis, welche Leistung wann und wie erbracht wurde.
Was bei einer Prüfung zählt
Für die Prüfung zählt nicht, ob deine Dokumentation besonders umfangreich aussieht. Sie muss aktuell, lückenlos, schlüssig und nachvollziehbar sein. Die SIS, der Maßnahmenplan, Leistungsnachweise und Verlaufsberichte müssen zusammenpassen.
Wenn im Maßnahmenplan eine Unterstützung beim Transfer steht, muss aus der täglichen Dokumentation hervorgehen, wenn dieser Ablauf abweicht. Wenn eine Verordnung geändert wurde, darf die alte Anweisung nicht weiter unbeabsichtigt im Team kursieren. Ein Qualitätsmanagement für die Pflege sollte deshalb nicht nur Formulare sammeln, sondern Verantwortlichkeiten und Aktualisierungswege festlegen.
SIS ist damit weder Pflicht noch Freifahrtschein. Sie ist ein fachliches Werkzeug. Ob sie entlastet, entscheidet sich an der Umsetzung im Dienst und an der Verbindung zur Abrechnung.
Implementierung Schritt für Schritt im eigenen Dienst
Eine SIS lässt sich nicht sinnvoll einführen, indem du neue Formulare verteilst und hoffst, dass alle damit arbeiten. Kleine Dienste brauchen einen überschaubaren Ablauf, klare Verantwortlichkeiten und ausreichend Zeit zum Nachjustieren.
1. Bestandsaufnahme
Zuerst legst du offen, was heute tatsächlich dokumentiert wird. Nimm eine echte Tour und prüfe, welche Einträge doppelt entstehen, wo Informationen fehlen und wie viel Zeit die Dokumentation pro Tour ungefähr beansprucht. Für diese Bestandsaufnahme solltest du einen halben bis ganzen Arbeitstag im Leitungsteam reservieren.
Beziehe eine Pflegefachkraft aus dem Frühdienst, eine aus dem Spätdienst und die Person ein, die für Abrechnung oder Software zuständig ist. So erkennst du früh, ob ein Formular zwar fachlich gut aussieht, aber im mobilen Ablauf nicht funktioniert.
2. Schulung am echten Klientenfall
Schulung mit Folien bleibt oft abstrakt. Nimm stattdessen einen anonymisierten Fall aus dem eigenen Dienst. Das Team formuliert gemeinsam die SIS, leitet Maßnahmen ab und entscheidet, welche Veränderung später in den Bericht gehört.
Plane dafür eine kompakte Teamschulung mit anschließender Fragerunde ein. Wichtig ist, dass auch die Schnittstelle zur Leistungsdokumentation geübt wird. Sonst entsteht schnell die falsche Annahme, die SIS könne die Abrechnungseinträge ersetzen.
3. Praxistest in ausgewählten Touren
Starte nicht sofort mit allen Touren. Wähle zwei oder drei Touren mit unterschiedlichen Situationen, etwa eine kurze Frühbesuchstour, eine Tour mit viel Behandlungspflege und eine mit hohem Angehörigenkontakt.
Nach zwei Wochen wertest du mit dem Team aus, was funktioniert. Der PDCA-Zyklus hilft dabei: planen, umsetzen, prüfen und anpassen. Frage konkret, ob Informationen unterwegs auffindbar sind, ob Maßnahmen verständlich formuliert wurden und ob die Abrechnung ohne zusätzliche Umwege möglich ist.
4. Formulare und Software anpassen
Ambulante Dokumentation braucht Felder für Wegezeiten, Kurzbesuche, Schlüsselregelungen, Haushaltsführung und Abweichungen während der Tour. Wenn ein Softwarewechsel geplant ist, muss die Leitung früh prüfen, ob SIS, Maßnahmenplan, Leistungsnachweis und mobile Erfassung miteinander verbunden werden können.
Rechne für diese Anpassung mit mehreren Abstimmungsterminen. Ein Formular, das am Schreibtisch gut aussieht, kann im Dienstwagen unpraktisch sein. Teste deshalb mit echten mobilen Geräten und nicht nur am Bürocomputer.
5. Routine und Einarbeitung
Nach der Pilotphase braucht die SIS feste Pflege im Alltag. Monatliche Stichproben zeigen, ob die Einträge aktuell bleiben und ob Mitarbeitende wieder in alte Schreibmuster zurückfallen. Neue Kolleginnen und Kollegen sollten die Dokumentationslogik bereits in der Einarbeitung kennenlernen. Ein strukturierter Onboarding-Ablauf für neue Mitarbeitende verhindert, dass jede Tour ihre eigene Sprache entwickelt.
Der Zeitaufwand sinkt erst, wenn die Abläufe stabil sind. Personalmangel bleibt trotzdem eine Grenze. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt weiterhin einen erheblichen Fachkräfteengpass in Pflegeberufen (Arbeitsmarktanalyse der Bundesagentur für Arbeit). Eine saubere SIS braucht Zeit für das Erstgespräch, die Evaluation und fachliche Anpassungen. Diese Zeit darf nicht einfach aus der Versorgung herausgekürzt werden.
Häufige Fehler und bewährte Tipps aus der Praxis
Die meisten Probleme entstehen nicht, weil Pflegekräfte das Strukturmodell nicht verstehen. Sie entstehen, weil im Tourenalltag alte Gewohnheiten, Zeitdruck und Abrechnung nebeneinander weiterlaufen.
| Fehler | Gegenmaßnahme | Aufwand | Nutzen |
|---|---|---|---|
| Risikomatrix beim Erstbesuch zu ausführlich ausfüllen | Nur pflegefachlich relevante Risiken aufnehmen und begründen | Mittel | Mehr Zeit für Gespräch und Ressourcen |
| SIS nach Krankenhausaufenthalt nicht aktualisieren | Rückkehr aus dem Krankenhaus als festen Prüfpunkt im Tourenboard markieren | Gering bis mittel | Aktuelle Versorgung und weniger widersprüchliche Anweisungen |
| Maßnahmenplan und Tagesbericht vermischen | Maßnahmenplan als dauerhafte Anleitung, Tagesbericht für Abweichungen nutzen | Gering | Klarere Übergaben und weniger Wiederholungen |
| Themenfelder nicht evaluieren | Regelmäßigen SIS-Review in die Dienstorganisation aufnehmen | Mittel | Veränderungen werden früher erkannt |
| Angehörige bei der Biografie nicht einbeziehen | Angehörige gezielt nach Gewohnheiten, Ressourcen und Netzwerken fragen | Gering | Realistischere Planung und bessere Akzeptanz |
| Freitext ohne klare Struktur verwenden | Vorstrukturierte Felder nutzen und individuelle Ergänzungen kurz formulieren | Gering | Schnellere Orientierung im Einsatz |
Was sich im Alltag bewährt
Ein Tourenboard mit Erinnerung an den SIS-Review alle drei Monate verhindert, dass die Erstaufnahme zum unveränderlichen Dauerbild wird. Nach einem Krankenhausaufenthalt, einer deutlichen Verschlechterung oder einem Wechsel der Angehörigenhilfe braucht es zusätzlich eine anlassbezogene Aktualisierung.
Vorstrukturierte Freitextfelder helfen, solange sie nicht zu Textbaustein-Friedhöfen werden. „Unterstützung bei der Körperpflege“ sagt wenig. Besser ist eine Formulierung, aus der hervorgeht, was die Klientin selbst übernimmt, wobei du hilfst und welche Besonderheit heute beachtet werden muss.
Die Übergabe sollte dort stattfinden, wo die Information gebraucht wird. Ein kurzer Eintrag am Tourenende, ergänzt um eine klare mündliche Weitergabe bei dringenden Veränderungen, ist oft hilfreicher als eine lange Besprechung am Schreibtisch. Angehörige liefern zudem wichtige biografische Hinweise, sollten aber nicht automatisch zur Ersatzkraft für fehlendes Personal werden.
Für Pflegefachkräfte, die sich wegen der Personalsituation nach einer flexibleren Einsatzform umsehen, kann Zeitarbeit eine realistische Option sein. Vorteile liegen in wechselnden Einrichtungen, möglicher Dienstplan-Mitgestaltung und der Chance, verschiedene ambulante Abläufe kennenzulernen. Nachteile sind wechselnde Teams, neue Dokumentationssysteme, Fahrtwege und die Notwendigkeit, sich immer wieder in lokale Standards einzuarbeiten.
BREKSTAR Medical GmbH vermittelt Pflegefachkräfte auch an ambulante Dienste und nennt für Fachkräfte ein Gehalt von 5.000 bis 7.000 €, einen Firmenwagen mit Tankkarte, einen unbefristeten Vertrag, persönliche Ansprechpartner und 24/7 Erreichbarkeit. Wer diese Rahmenbedingungen prüfen möchte, kann BREKSTAR Medical GmbH besuchen und sich über passende Einsätze informieren.
Mehr Gehalt, ein Firmenwagen der dir gehört und ein Arbeitgeber der hinter dir steht, das gibt es bei BREKSTAR. Bewirb dich jetzt in unter einer Minute: https://brekstar.de/expressbewerbung/

